Ich nicht. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend (Gebundene Ausgabe)
von Joachim C. Fest


 
Ein Vorbild ?
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Die Bewertung des Vaters des Autors, sowohl in diesem Forum, als auch auf den Seiten des einschlägigen Feuilletons scheint unisono zu sein - ein aufrechter Demokrat, preussisch, standfest, katholisch, bildungsbürgerlich liberal. All diese Attribute werden Johannes Fest gerecht. Vor diesem Hintergrund ist Fest ein beeindruckendes und wichtiges Buch gelungen, das das Versagen einer politischen und geistigen Elite offensichtlich und das Scheitern der Weimarer Republik als Demokratie ohne Demokraten rein durch die Beschreibung der politischen Konsequenz des Vaters transparent und anschaulich macht.
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>Dient er also zum Vorbild, dieser Johannes Fest, sich einem Zeitgeist nicht zu beugen und konsequent seinen Weg zu gehen?
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>Um es vorwegzunehmen, er tut es nicht. Johannes Fest widersteht keinem Zeitgeist, sondern er ist auf seine Weise selbst ein Gefangener seiner Zeit. Die unbeirrbare Konsequenz mit der er seine Familie der Ächtung preisgibt, der Gewissensdruck auf ein 10-jähriges Kind beim sogenannten zweiten Abendtisch, das dieses zum Komplizen macht, der Brief an den Sohn in dem er ihm auf den Weg gibt, dass ein freiwilliges Melden zur Armee auch um den Preis der Zwangsrekrutierung in die SS nicht statthaft sei, macht es schwer von einem Memschen zu sprechen, der einem Zeitgeist widersteht. Johannes Fest widersteht einer Diktatur, aber sein Widerstand zeigt alle Zeichen der furchtbaren Konsequenz "bis zum letzten" der Zeit. Johannes Fest widersteht auf dem Rücken seiner Frau, die sich nach aussen hin niemals beklagt, die aber den Widerstand in ihrem täglichen Leben aushalten muss, auch dies ein Ausdruck eines Zeitgeistes, gegen den sich Johannes Fest nicht stellt. Er sieht von der Warte seiner Prinzipientreue zu, wie um ihn herum die Familie in Scherben fällt, nicht strukturell, aber sicherlich funktionell. Man hätte gerne gewusst, wie die jüngeren Schwestern diese Konsequenz aushalten und wie sie im nachhinein urteilen. Man hätte sich ebenso gerne ein intensiveres Nachdenken über die Rolle der Mutter und ihrer fast absoluten Unterordnung gewünscht - auch das Verhältnis der Eltern zueinander scheint ein klarer Ausdruck des Geistes dieser Zeit zu sein.
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>Nein, ein Vorbild ist der Vater des Autors nicht. Während der Lektüre des Buches drängte sich an verschiedenen Stellen der Vergleich von Arundhati Roy zwischen Bin Laden und Präsident Bush auf - die Denkstrukturen der Beteiligten sind die gleichen.
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Eine Rezension von J. Sturm Brüssel, Belgien
vom 10. Oktober 2006
Kundenrezensionen:
9. Ein Vermächtnis als Geschenk
8. Ein sehr preußisches Buch im Schatten des genialen Vaters
7. Lust auf mehr !
6. Ein Vorbild ? (die aktuell angezeigte Rezension)
5. Lesenswerte Geschichte eines Zeitgenossen aus unserer jüngsten Vergangenheit
4. Ich verneige mich
3. Beeindruckendes Buch
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Siehe auch folgende Artikel:
Hitler. SPIEGEL-Edition Band 31 von Joachim C. Fest
Im Gegenlicht. Eine italienische Reise von Joachim C. Fest
Begegnungen. Über nahe und ferne Freunde von Joachim C. Fest
Beim Häuten der Zwiebel von Günter Grass
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